Gert Hofmann, Veilchenfeld, Erzählung

Gert Hofmann, Veilchenfeld, Erzählung, 2. Auflage, 1986, Luchterhand Verlag, Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag,

Gert Hofmann, Veilchenfeld, Erzählung, Foto: © Liz Collet

Veilchenfeld ist der Name eines Professors in der Erzählung, die mit seinem Abtransport im Leichenwagen beginnt. Bis sie auch mit diesem endet, schildert die Erzählung, wie es dazu kam, dass der jüdische Gelehrte sich nicht anders zu helfen vermochte, als mit Gift sein Leben zu beenden.

„Weil ich mich unter meinen Büchern sicherer fühle, als unter meinen Landsleuten“, gab er zur Anwort, wenn er gefragt wurde, warum er nicht aus seiner Wohnung herunter kam.

Die Handlung der Erzählung „Veilchenfeld“ spielt in den ersten Jahren der Naziherrschaft in der sächsischen Kleinstadt Limbach.

Gert Hofmann nimmt bei der Geschichte den Blickwinkel zweier Kinder ein, die gerade erst in die Schule gekommen sind. Ihr Blickwinkel, der junger und neugieriger, aufgeweckter Kinder ist es, aus dem die Geschichte Veilchenfelds erzählt wird. Und wie sie erleben, dass es gefährlich wird, wenn man diesen Philosophen auch nur zum Essen einlädt – weil dann Fensterscheiben der eigenen Eltern mit Steinen eingeworfen werden. Sie erleben, wie Jugendliche dem ruhigen, schüchternen und zurückgezogen lebendem Professor die Haare scheren und jeder Gang, den er aus dem Haus tut, zu Spießrutenläufen wird. Die Beobachtungen und Erlebnisse der Kinder fügen wie ein Puzzle nach und nach zusammen, wie kleinstädtische Bürgerlichkeit und Fassade zu bröckeln beginnt im Umgang mit einem Menschen, der keinem Leid tut…und keinem leid tut. Fügen sich mosaikartig Eindrücke aneinander über die Mentalität eines Opfers, seiner Verfolger, von Mitläufern und eingeschüchterter Gegner, bis schliesslich selbst Kinder zu Mitschuldigen werden.
Und bis sich auch zeigt, dass und wie schnell das Bild und Selbstbild von Menschen, nicht zu Mittätern oder Mitläufern werden zu können, auf die Nagelprobe gestellt werden kann. Damals………und heute. Und damit aktueller denn je und leseswert.

Wenn Sie das Buch gern „adoptieren“ möchten, nachdem es mich nun einige Jahre in meinem Bücherschrank begleitete, freue ich mich auf Ihre Anfrage, gern mit Preisvorschlag.

Gert Hofmann wurde am 29. Januar 1931 in Limbach geboren. Der am 1. Juli 1993 in Erding verstorbene deutsche Schriftsteller wuchs in Limbach auf, bis die Familie 1948 nach Leipzig umzo. Dort besuchte er eine Fremdsprachenschule und absolvierte das Dolmetscher- und Übersetzerexamen für Englisch und Russisch. Nach seinem Abitur 1950 nahm er das Studium der Romanistik, Germanistik, Slawistik und Anglistik an der Universität Leipzig auf. Er verliess die DDR 1951 und setzte in Freiburg im Breisgau das Studium dann in Anglistik, Germanistik, Romanistik, Soziologie und Politikwissenschaft fort. Mit einer Arbeit über Henry James promovierte er 1957 zum Doktor der Philosophie und war auch als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Freiburg im Breisgau tätig. Ab 1961 folgten germanistische Lehraufträge an Universitäten in Toulouse, Paris, Bristol, Edinburgh, New Haven, Berkeley und Austin. In den Jahren 1971 bis 1980 lebte er in Klagenfurt, während er zugleich an der jugoslawischen Universität Ljubljana lehrte. Seit 1980 lebte er mit seiner Familie in Erding bei München. Dort starb er 1993 an einem Hirnschlag.

Gert Hofmanns verfasste eine Reihe von Hörspielen und Theaterstücke in den 60er Jahren, ab 1979 Erzählungen und Romane, durch die er schliesslich auch bekannter wurde. In seinen Büchern und Erzählungen stehen meist Personen im Mittelpunkt, die teils körperlich oder psychisch bzw seelisch Hürden erleben und in Konflikten mit ihrer Welt stehen. Immer wieder auch behandeln seine Arbeiten die verdrängte deutschen Vergangenheit und deren Folgen.

Gert Hofmann war seit 1987 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1965 mit dem Harkness Award(USA), 1968 mit dem Internationalen Hörspielpreis Radio Prag, 1973 mit dem Jugoslawischen Hörspielpreis Ohrid, 1979 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt, 1982 folgte der Alfred-Döblin-Preis, 1983 der Hörspielpreis der Kriegsblinden sowie 1993 der Literaturpreis der Landeshauptstadt München.

Weitere Veröffentlichungen (u.a.):

  • Die Denunziation
  • Die Fistelstimme
  • Gespräch über Balzacs Pferd
  • Auf dem Turm
  • Unsere Eroberung
  • Der Blindensturz

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