Cally Blackman: Modezeichnungen

Cally Blackman: Modezeichnungen

Cally Blackman: Modezeichnungen

Als Kind fand ich es immer interessant, in den Schnittmustern und Schnittmusterheften meiner Mutter zu blättern, mit denen sie für uns Mädchen und sich hübsche Kleider und Röcke nähte, aber auch an einen Bademantel aus kuscheligem Frottee erinnere ich mich, den sie einmal für mich nähte. Und natürlich zauberte nicht das Christkind, sondern meine Mama Kleider für die Puppen und Röcke, ebenso wie sie manches häkelte und strickte.Manche erinnern sich noch an die sog. Burda-Hefte. Bei meiner Mama lagen noch die einen oder anderen Hefte von „Günther Moden“ bei ihrem Nähkasten und der Nähmaschine, in denen Kleider und Röcke mit enger Taille und weit schwingenden Röcken feminin in Zeichnungen und Bildern Mode- und Frauenbilder prägten.

Dass ich früh anfing, auch Mode und solche Modeentwürfe zu zeichnen, hatte allerdings wohl eher mit einer Mischung aus der Liebe zu Tanz und Ballett (die ich beide jahrelang lernte und ausübte) und den Kostümen und Choreographien, zu Theater- und Filmkostümbildnerei zu tun. Aber auch mit Geschichte, bei der man es eher nebenbei, aber eben oft auch in Abbildungen und Zeichnungen mit Moden zu tun hatte.

Am meisten aber wohl damit, dass ich liebte einfach alles und jeden zu zeichnen, seit ich Stifte halbwegs halten konnte, noch heute finden sich Bleistiftzeichnungen von einem alten „Taubenmutterl“ vom Viktualienmarkt und Skizzen von Szenen, die einen meiner Kunstlehrer an Spitzwegs Zeichnungen erinnerten, in alten Mappen. Ebenso wie macher andere Unfug, der als Zeitvertreib aus Papier und Bleistift, Tusche, Tinte, Kreide, Kohle, Aquarell und sogar als Kaltnadelradierungen entstand.

Bei aller Freude an einem gewissen Talent und Neigung zum Zeichnen mit solchen Utensilien wurde mir aber natürlich früh klar gemacht, dass das eine ganz und gar brotlose Kunst sei, von der man nie leben könne. Den Kummer machte ich meiner Familie natürlich nicht, in der sich Berufe vor allem des Handwerks sammelten, die dem redlichen Broterwerb dienten und ihre Familien satt machen wollten und konnten. Zumal Jungfrauen selbst ohnehin pragmatisch und vernünftig genug sind. Man muss nicht alles zum Beruf machen, was als Passion vielleicht besser überlebt, während man von anderem als Einkommen lebt, das man sich erarbeitet. Und so arbeitete ich neben der Schule bereits in manchem Job und schliesslich in Bäckereien, um mir nicht nur mein täglich Brot zu erarbeiten, sondern auch für ein Studium, nach dessen Abschluss man nicht brotlos sein würde. Die Aussichten dafür stehen bekanntlich gut – die Menschen neigen mehr zum Streiten, als das im Garten Eden mal geplant war. Und schon bei dessen Geschichte um zwei zunächst wenig bekleidete Menschen endete das Drama schon im ersten Akt mit dem ersten bekannten fristlosen Kündigungsfall des Wohnraums der beiden Sünder und ihres Falles.

Nachdem sie sich dürftig mit je einem Blättchen schamhaft bedeckt und mässig bekleidet aus demselben Paradiese hatten hinausscheuchen lassen, war guter Rat teuer, aber noch keine Rechtsschutzversicherung vorhanden und so musste man sich auf die Suche nach Einkommen und Nahrung und beides andernorts machen. Das führte zunächst in die Landwirtschaft. Und ernährte für’s Erste seinen Mann. Sprich Adam. Und sein Weib. Was sie fortan an Kleidung trugen, nachdem sie sich zunächst mit einem Feigenblättchen mehr schlecht als recht beholfen hatten, ist in biblischen Texten nicht en detail beschrieben, obwohl bei Adams angeblichem Lebensalter von 930 Jahren das eine oder andere an vielleicht nicht jährlich wechselndem Modetrend, aber doch das eine oder andere an Kleidung nötig gewesen sein sollte. Bei Malern und in Abbildungen wie der Schedelschen Weltchronik wurden die beiden dann  in Tierfelle und Stoffe gehüllt. Schon dies ist eigentlich ein Spiegel der Mode in der Zeit und in der Geschichte – wie Adam und Eva in unterschiedlichen Bildern und Abbildungen gezeigt werden. Und ein Spiegel des Bildes des Menschen, für den Kleidung und Mode immer auch mehr als blosse funktionale Bedeutung von Schutz gegen Nässe und Kälte oder Sonne hatte und hat. Sondern auch eine der Moral, der Scham und Schamhaftigkeit oder -losigkeit, der Sünde und Sündhaftigkeit.

Die schnell, wenn auch erst im Laufe der Zeit auch eine Frage der Sündhaftigkeit des Preises von Mode und Moden wurde.

Nicht nur biblische Geschichten, sondern auch geschichtliches und nicht zuletzt kirchenrechtliches und rechtsgeschichtliches Studium  führten mich dort in historischer Literatur und Abbildungen wieder zu Kleidung und Illustrationen, bei denen in Kleidung und Accessories und verschiedenen Insignien und Symbolen Bedeutung lag und liegt, die Nebenwirkungen und spannende Teile des Studiums sind, die jedenfalls ich während meiner Studien- und Referendarzeit zusätzlich neben den Pflichtvorlesungen und Studium der Rechtswissenschaft „mitnahm“, wo sie mir möglich waren.

Mode ist – bei mehr als einem Blick darauf – mehr als „nur“ eine moderne Modeerscheinung, mehr als die Banalität der Oberflächlichkeit, als die sie manchen und manchmal erscheint. Jedenfalls dann, wenn man sich mit mehr als low budget Mode und Produkten befasst, die mit Kinderarbeit und im Ausland produziert werden.

Und die in anderer Hinsicht der genaueren Befassung damit würdig sind – und vor allem des Verzichts auf solche Ware und die Förderung solcher Herstellung und Gewinne mit diesen wert wären. Obschon sie – wie Mode und ihre Herstellung und der Handel mit ihr auch über die Jahrhunderte der Geschichte zeigen – ebenso ein Spiegel von Macht und Einfluss sind, der auch im Handel mit Stoffen und Waren aus Stoffen liegt und lag.

Wie man Mode macht, ist auch eine Frage der Macht. In vielfältiger Weise. Während die einen Stoffe  und die anderen die Stirn in Falten legen, ob ihres Auskommens mit dem Einkommen aus Stoffen und Arbeit daran.

Faszination an der Illustration und Modezeichnung und ihrem Wert und Stellenwert für andere Berufe bis eben hin zur Kostümbildnerei blieb und die anwaltliche Tätigkeit eröffnete bei Tätigkeiten für einige Kostümbildner, Filmarchitekten und andere Berufe der Film- und Medienbranche immer wieder wunderbare Gelegenheiten zum Hineinschnuppern in die Materie und ihre Geschichte und Entwicklung und die Arbeit im Laufe der Jahrzehnte, die manche meiner Mandanten bereits damit befasst waren. Und die sie dann auch in der einen oder anderen Vernissage zB in Geiselgasteig präsentierten. Oder die ich am Rande solcher Arbeit oder Vernissagen und dort hinter den Kulissen und im Fundus kennenlernen durfte.

Wunderbare kreative Menschen plauderten darüber mit mir, wie sie aus Wohnungs- oder Geschäftsauflösungen, gar manchen Dachbodenfunden alte Schnitte, Schnittmuster, Knöpfe oder Stoffballen , Kleidung und andere Gegenstände gegelentlich ergattern können, die wahre Schätze für Filme der 20er bis 50er Jahre sein können. Zeigten mir ihre Skizzen und Entwürfe, Stoffproben und Modelle und Arbeiten davon und schenkten mir die unvergleichlich interessante Zeit, sie in ihre Arbeit und ihre Welt nicht nur im Gespräch zu begleiten.

Manche Berufe und ihre Praxis lernt man manchmal (und zudem ohne deren Last und Hürden selbst als Einkommensbasis meistern zu müssen) doch noch kennen. Zugegeben, nicht ohne die Arbeit, die man dabei dann im eigenen Beruf damit hat. Aber das war und ist das Schöne am Beruf einer §§-Zwirblerin – man lernt jeden Tag immer neue Menschen (und eben nicht einfach nur Akten oder Fälle) und viel über deren Arbeit, Leben und die Geschichten drumherum und in diesen kennen. Sofern man daran auch interessiert ist. Und nicht nur an Fall und Honorarabrechnung.

Mode und der Weg von der Idee über das Entstehen und ihre Ergebnisse sind mehr als nur Stoff und Nähmaschine. Vor allem, wenn man sie geschichtlich betrachte.

Zum BUCH:

Nach wie vor ist die Zeichnung seit über hundert Jahren eines der, wenn nicht nach wie vor noch das wichtigste Mittel, um Mode im wahrsten Sinne des Wortes ins Bild zu setzen. Sei es, dass Modedesigner selbst zeichnen oder mit Künstlern zusammenarbeiten, die ihre Entwürfe zu Papier bringen, es bleiben die farbenprächtigen Illustrationen, mit welchen Kreationen Leben eingehaucht werden, welche auf Papier und in Stoff wie auf den Laufstegen und Strassen Sehnsüchte und Träume von Schönheit wahr werden lassen sollen.

Im vorliegenden 384 Seiten dickem Band (Format 254x200x38 mm) hat Cally Blackman über 400 der schönsten Modeillustrationen von über 140 Modeschöpfern und Künstlern von 1900 bis zur Gegenwart zusammengestellt, darunter bekannte und berühmte wie René Gruau, Steven Stipelman und Andy Warhol ebenso wie (noch) unentdeckte Künstler.
Der faszinierend vielfältige Band erzählt mit den Abbildungen auch eine Geschichte nicht nur der Modezeichnung und der Mode selbst, sondern eine kurzweilig und informativ erzählte Geschichte der Kunst und der Modemagazine in dieser Zeit – denn der Ruhm von Vogue und Harper’s Bazaar gründet zum großen Teil auf dem Zauber der Modezeichnungen.

Cally Blackman ist Schriftstellerin und Dozentin mit akademischen Abschlüssen in Modedesign und Kunstgeschichte. Sie lehrt am Central Saint Martins College of Art & Design in London, mit dem sie auch das vorliegende Buch erarbeitete.

Cally Blackman: Modezeichnungen (Geschichte der Modeillustration aus 100 Jahren)
Collection Rolf Heyne; Auflage: 1 (1. März 2009)

Ich verkaufe den Band aus meinem Privathaushalt (Nichtraucher, keine Haustiere) ohne jegliche Gebrauchsspuren, er ist uneingeschränkt auch als Geschenk verwendbar. Bei Interesse können Sie ihn hier bestellen, Abholung ist nach Vereinbarung eines Termins gern möglich.

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