„Die Tänzerin von Auschwitz“ – Der Autor Paul Glaser im Gespräch über das Buch

 © Liz Collet

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„Die Tänzerin von Auschwitz“ ist ein dieser Tage auf Deutsch erscheinendes Buch von Paul Glaser, der darin die unglaubliche Überlebensgeschichte seiner Tante Rosie erzählt, von der er selbst erst zufällig durch den Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz erfufhr. Dort entdeckte er einen Koffer mit seinem Namen und begann zu recherchieren.

Anhand von Tagebüchern und Briefen, Dokumenten und Zeitzeugenberichten folgte er den Spuren seiner Tante Roosje, die nach einer Odyssee durch mehrere KZs im Vernichtungslager Auschwitz landete und im Januar 1945 den Todesmarsch überlebte. In seinem Buch „Die Tänzerin von Auschwitz“ erzählt der Niederländer Paul Glaser ihre bewegende Lebensgeschichte, die von Liebe und Verrat, Erniedrigung und Selbstbehauptung erzählt und an die Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren erinnert.

Rosa Glaser wurde 1914 in Nijmegen geboren. Sie war eine temperamentvolle, emanzipierte junge Frau und baute sich in den 30er-Jahren eine eigene Existenz als Tanzlehrerin auf. Mit dem deutschen Einmarsch in die Niederlande am 10. Mai 1940 änderte sich das Leben für sie  dramatisch. Sie tauchte 1942 bei Beginn der Deportationen unter, wurde von Freunden verraten und in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Über das KZ Herzogenbusch gelangte sie im September 1943 nach Auschwitz. Dort musste sie medizinische Experimente erdulden, wurde gezwungen, andere Gefangene zur Gaskammer zu begleiten und die Toten wieder herauszuholen.

Als sie zur Zwangsarbeit in der Munitionsfabrik „Union“ musste, lernte sie einen der SS-Offiziere näher kennen und schlug ihm vor, abends vor den SS-Leuten zu singen und zu tanzen. Belohnt wurde sie mit Brot, das sie mit ihren Mitgefangenen teilte.

Am 17. Januar 1945 und mit dem Näherrücken der Roten Armee, räumten die SS-Wachmannschaften das Lager und schickten die noch verbliebenen Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Westen. Roosje überstand ihn, dem noch kurz vor Kriegsende Tausende zum Opfer fielen, erreichte mit Hilfe des Roten Kreuzes Schweden; sie blieb in Stockholm und fand eine neue Heimat.

 Als Paul Glaser ihr Jahrzehnte später zum ersten und einzigen Mal begegnete,  überraschte ihn die Offenheit, mit der sie über ihre Vergangenheit sprach. Bei all dem Schrecklichen, das sie durchgemacht hatte, habe sie ihre Lebensfreude bewahren können, ebenso die Liebe zur Musik und zum Tanzen, eine große Offenheit anderen Menschen gegenüber und viel Optimismus. Mit seiner Biografie setzte  er ihr, ihrem Mut und ihrem Überlebenswillen ein Denkmal mit einem Buch, das die „Washington Times“ „Eines der außergewöhnlichsten Leben des 20. Jahrhunderts“  bezeichnete.
Eine Veröffentlichung, die beinahe nicht zustande gekommen wäre. Denn als Paul Glaser recherchiert, erfährt er, dass die allermeisten seiner Verwandten den Holocaust nicht überlebt haben. Und seine Tante Rosie weigert sich zunächst, ihn zu empfangen. Doch schließlich erzählt sie ihre Geschichte. Aus diesen Erzählungen und den vorhandenen Briefen setzt Glaser eine Biografie zusammen, die zugleich auch von der Geschichte und dem Kampf der Familie zwischen Erinnern und Vergessen erzählt.

Paul Glaser wurde 1947 in Maastricht geboren. Er war in leitender Funktion bei verschiedenen Institutionen im Erziehungs- und Gesundheitswesen tätig, unter anderem als Direktor einer psychiatrischen Klinik und als Geschäftsführer einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen. In seiner Freizeit engagierte er sich für die Gründung eines Museums, eines Regionaltheaters sowie einer Montessori-Schule. Die Geschichte seiner Tante Roosje ist nach seinen wissenschaftlichen Publikationen sein erstes Buch für ein breites Publikum.

Der Autor Paul Glaser im Gespräch mit Ursula Heller über das Buch in der Sendung  „Eins zu Eins. Der Talk“ von Bayern 2 HIER in der Audiothek des BR. (ca 29 Min)

Es lohnt sich auch, auf der website „Aunt Rosie“ in den dortigen Informationen zu blättern. Lassen Sie sich nicht davon abhalten, dass diese in niederländischer Sprache gehalten ist, manche Texte versteht man dennoch (ich jedenfalls und Sie werden mit einer Übersetzungshilfe u.U. zurechtkommen, wenn nötig). Und in jedem Fall auch ohne Text verständlich sind die vielen Bilddokumente und sogar Filmmaterial. Denn Roosje Glacer war in den 30er Jahren auf der Filmleinwand und in den Niederlanden so etwas wie eine Dancing Queen. Mit 26 Jahren leitete sie vier Tanzschulen.

Das Buch können Sie natürlich in Ihren Buchhandlungen „um die Ecke“ kaufen, aber auch beim Verlag selbst HIER.

Sie wissen ja, ich persönlich favorisiere   die „lebendigen“ freien und gern auch kleinen Buchhandlungen um die Ecke und wenn solch eine nicht in der Nähe für Sie greifbar ist, dann immer noch lieber die Bestellung bei Verlagen selbst, anstatt auf Online-Monopolisten zurückzugreifen.

Weitere Infos:

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