Die öffentliche Meinung {neuerdings: Die Diktatur des Like-thumbs}

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Spitzenteam © Liz Collet

Das mächtigste Hirngespinst ist die öffentliche Meinung:
Niemand weiß genau, wer sie macht,
niemand hat sie je persönlich kennengelernt,
aber alle lassen sich von ihr tyrannisieren!

Johann Wolfgang von Goethe

Demokratien leben nicht nur davon, dass sie auch Minderheiten und deren Meinung Schutz einräumen. Weise genug, dass eine Meinung nicht deswegen richtiger wird, weil einer sie penetrant wiederholt oder viele sie weiter“beten“ und verbreiten oder sie abnicken und nur einer oder einzelne andere eine andere, vielleicht zutreffendere Meinung vertreten. Die Geschichte hat (eigentlich) oft genug anschaulich gelehrt, dass es eben nicht eine Meinung richtig macht, weil sie viele nachplappern.

Claqueure – warum nur hat es einen charmant doppel- und hintersinnigen Klang, wenn man es sich im Ohr mehrmals über die Gehörknöchelchen laufen lässt: Kla-Chöre…………..? Ein Schelm, der Böses, dabei oder an Klu, Klux, Krux und Clans und Chöre der Meinungsdiktatoren denken würde….? Die – anders als in Sandalen-Filmen und dort den Daumen senkendem Nero aka Sir Peter Ustinov – den Like-Button und FB-Finger zum vermeintlichen Demokratiepegel erheben und missverstehen. Missverstehen, wenn sie sich in der Mehrheit und allein deretwegen in der Richtigkeit ihrer oft genug diskussions-, wenn nicht sogar fragwürdigen Meinung bestätigt wähnen?

Je mehr Likes zu seinem Auftritt, desto pöbeliger der Kritisierte und die ihm Beifall Spendenden, Zustimmenden, wenn einer sich dennoch ihr entgegenstellt.

„Die öffentliche Meinung ist eine Buhlerin: Man sucht ihr zu gefallen, ohne sie zu achten.“

sagte Jean Antoine Petit-Senn ( Geistesfunken und Gedankensplitter)

„Die öffentliche Meinung ist nichts anderes als der aus dem hohlen Bauche der Unwissenheit oder der vollen Blase der Bosheit hervorgurgelnde Klatsch.“

liest man bei Johannes Scherr, „Gestalten und Geschichten“, 1887

„Eine öffentliche Meinung gibt es nur da, wo Ideen fehlen.“

wusste schon Oscar Wilde in den Maximen zur Belehrung der Übergebildeten, Maxime 2.

„Öffentliche Meinungen über Themen, die dem Verstand schwer zugänglich sind, sind oft richtig, aber selten oder nie die ganze Wahrheit.“

schrieb John Stuart Mill ( Die Freiheit )

Und die Relativität der öffentlichen Meinung, die sowenig wie die oftmals zitierte juristisch herrschende Meinung sein und noch weniger richtig sein muss, verstand auch Einstein in Worte zu fassen, der sich bei der Unendlichkeit zweier – des Universums wie der Dummheit – nur bei der Unendlichkeit noch nicht sicher war :

„Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die Meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.“

Albert Einstein, Neun Aphorismen, in: Essays Presented to Leo Baeck on the Occasion of his Eightieth Birthday, London, East And West Library, 1954, S. 26.

Sie alle wussten nichts von Algorithmen sozialer Medien und ihrer Filter, die dazu ebenso wie eine „Fan- und Freundesgemeinde“ schon per se eigenen Dynamik entfalten bei der leichter fallenden Äusserung von Beifall als der eher weniger zu erwartenden Äusserung von Kritik der „Community“ eines Nutzers. Der sich flugs als „Netzbeschmutzer“ des Kreises der Nutzer einer Seite oder eines Users seinerseits des Kritikfeuers ausgesetzt findet. Egal wieviele ihm (schweigend beobachtend und zustimmend der Kritik), wo sich so viel schneller Lobhudler und Schleimer finden, die den Schulterschluss üben und reziprok auch erfahren und erhalten.

Sie wussten aber eine Menge über die menschliche Natur und Gruppendynamik sozialer Gefüge und im Umgang mit Kritik, aus der Wissenschaft, aus der Geschichte. In der manchen die Erde noch immer eine Scheibe ist, weil alle das behaupteten. Bis einer eine andere Meinung vertrat.

Die Zeiten ändern sich. Die Menschen nicht. Wo mancher lieber einer öffentlichen, schlicht: verbreiteten Meinung gern nachläuft, lieber ihr, als eine eigene zu haben. Oder wie Nietzsche es knackig auf 4 Worte fokussierte: „Öffentliche Meinungen, private Faulheiten.“

Und so hängen eben viele die ihre in den Wind wie ein Fähnchen, das sich nach dem orientiert, woher gerade selbiger weht.

„Die öffentliche Meinung ist die Dirne unter den Meinungen.“

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Vielleicht wäre es daher nicht unklug und Zeit, die eigene Einstellung nicht nur dann zu überdenken, wenn man sich in der Minderheit sieht, sondern mehr noch, wenn man merkt, daß man zur Mehrheit gehört? Nicht immer zu revidieren, aber doch wenigstens einmal zu überdenken.

Allerdings können die meisten nur fremde Meinungen, nicht ihre eigenen berichtigen. Das mag eine Sache von Charakter und Erziehung (und des Fehlens des einen u/o des anderen) sein und nicht selten an ihren Motiven der von ihnen verbreiteten Meinung liegen. Die ist angeblich bei Bürgern immer demokratisch, bei Politikern immer unlauter, bei Promis Selbstdarstellung und in der Werbung von vornherein gelogen. So einfach sind Klischees für manche Menschen heutzutage. Und so bequem lebt es sich in diesen eingerichtet, nach solchen Schablonen den Finger zu heben und zu senken und Shit- und Candystorms zu befeuern.

Manche Leute unterhalten in ihren Köpfen aber eben lieber gratis Fremdenzimmer für die Meinungen anderer Menschen, als ihr Haus und die Zimmer darin selbst zu gestalten. Doch ist die allgemeine Meinung eben nicht immer die wahrste, liest man bei Giordano Bruno. Und erst hinterher haben alle es dann plötzlich doch immer anders und eh besser gewusst. Wenn der Wind sich dreht……… und Laub von der Wahrheit fegt.

Und irgendwann gibt es sicher auch wissenschaftliche Studien über die Mittel der Demogagie in Gestalt der Like-Thumbs zu FB- und anderen Social media Posts und ihren Kommentaren. Die Zeit wird auch das zeigen.

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