Über Bücher, Büchermenschen und Bücherbanditen und die Grenzen der Notwehr mit Bratpfannen

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Teatime © Liz Collet

Ein Buch,
das man liebt,
darf man nicht leihen,
sondern muss es besitzen.
Friedrich Nietzsche

Das Thema „Verleihen von Büchern“ ist ein schwieriges Thema. Verlage, Autoren und Urheberrechtler haben ihre Schwierigkeiten mit dem Schutz der Werke vor unerwünschter, im Besonderen nicht honorierter oder nicht ausreichend wirtschaftlich verwertbarer Verbreitung. Sie haben ihre Probleme auch bei zeitlichen Befristungen gedruckter Bücher und mit der Urheberrechtsnovelle des Justizministers und der Ausstiegsfrist von 5 Jahren.  So romantisch es klingt, wenn es Zeiten gibt, in denen ein Buch und eine Rose wichtiger als Brot seien, von beidem allein und der Luft lässt sich Kunst nicht schaffen und nicht ernähren. Geistige Flexibilität für neue Regelungen ohne Nähr- und Mehrwert einer Novelle genügt da nicht.

Beim E-Book sucht man zur Erhöhung der doch hinter den Erwartungen zurückbleibenden Absatzsteigerung nach Wegen durch diverse Preismodelle, die dem Pro und Contra neue Nahrung geben.

Manche  sehen sie in digitalen Leihangeboten von öffentlichen Bibliotheken als „attraktiven Vertriebs- und Marketingkanal für Self-Publishing-Autoren, um Reichweite und Sichtbarkeit zu erzielen.“ Ob das Selfpublishern mehr bringt, als Hoffnungen verspricht, hat manche Fragezeichen.

Hanser Verlag geht beim Fachbuch einen eigenen Weg, der zumindest eindeutig scheint: Alle E-Book inside Titel werden  ab dem 01.01.2016 mit 90% des Netto-Ladenpreises für das Printbuch zu 7% MwSt. und mit 10% des Netto-Ladenpreises für den E-Book-Anteil zu 19% MwSt. ausgewiesen. Zum Thema ein interessantes Interview des Buchmarktes mit  Dr. Dubravka Hindelang, der Vertriebsleiterin des Verlags hier.

Klassische Bücher zu verleihen hat eine weitere, nicht nur pragmatische, wirtschaftliche oder juristisch diffizile Komponente. Eine emotionale. Zu Büchern. Und Menschen. Und wie diese mit unseren Büchern umgehen. Und damit auch, wie sie mit uns umgehen.

Der Wertschätzung nicht nur für einen ihnen nicht selbst gehörenden Gegenstand, Zeichen von Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, die sich bei diesen Menschen daran zeigen. Warum ich keine Bücher (und keine Bratpfannen) verleihe, habe ich bereits hier ausgeplaudert. Dem liesse sich noch ein weiteres Beispiel anfügen, doch dazu ein anderes Mal. Aus Gründen.

Wertschätzung nicht nur für einen Gegenstand, der neben dem materiellen und kreativem Produktionsprozess Zeit, Mühe, Rohstoffe, Einsatzbereitschaft und Produktionsrisiko und Arbeit vieler Menschen von einer Textidee über Schreiben, Lektorieren, Drucken, Vertrieb, Handel und Arbeit für das Geld, um es zu erwerben, benötigte, um auf die Welt zu kommen und dort Heiterkeit, Spannung, Entspannung, Bildung und Lust an Wissen zu streuen und zu verbreiten und vielleicht auch die Lust nicht nur zu lesen. Sondern selbst zu schreiben, zu lektorieren, zu drucken, zu produzieren oder zu handeln mit dieser unvergleichlichen Ware. Die so viel mehr als Ware nur ist.

Aber mehr als das auch ist die Art, wie Menschen mit unseren Büchern umgehen deswegen eine so emotionale, berührende und manchmal kränkende, weil sie die Wertschätzung für uns als Menschen spiegelt, für das, was uns lieb und wichtig ist und mehr als der Rohstoff der Buchdeckel und Buchseiten zwischen ihnen als Produkt, das seinen Preis hatte und mit einem vergleichbaren Preis ersetzbar sein mag bei Beschädigung oder Verlust, wenn nicht gerade ein antiquarisches und damit unersetzlicheres der Exemplare aus Buchregalen. Wer Bücher liebt, der wird sie nicht in die Ecke pfeffern.

Wir teilen ein Buch auch beim Verleihen, aber eben mehr als das auch kein austauschbares Exemplar, das durch eines der gleichen Auflage ersetzbar ist. Sondern eines, das uns begleitet hat, ob auf einer Reise, in einer Zeit im Leben, in Momenten und an Tagen, die allein oder mit anderen gemeinsam sich in unsere ganz alltägliche Vita verwoben haben. Und der Verlust des damit verbundenen, sei es auch nur un- oder unterbewusst verbundenen Buches und der Gedanken und Empfindungen nicht nur beim Lesen seines Textes, sondern in den Momenten und dem, wie wir zu dem Zeitpunkt waren und sein mögen, schmerzt. Als Verlust eines Stückes von uns. Und ein liederlich behandeltes Buch ist nicht nur ein verletztes Buch, sondern ein Stück verletzte Seele und Stück von uns selbst. Und Spur der lieblosen Behandlung als Menschen durch einen anderen, der das scheinbar nicht wahrnimmt, nicht ermisst. Wieviel Bücher verbinden oder trennen und die Liebe zu ihnen und die Art des Umgangs mit ihnen spiegelt auch, wie wir uns mit einem anderen verbunden oder ihm fremd fühlen.

Büchermenschen werden immer irritiert sein, wenn sie die Wohnung eines neuen Bekannten erstmals betreten und kein Buch darin entdecken könnten. Nun ja, vielleicht ausgenommen solche, die selbst nur noch E-Books haben oder kaufen, weil sie Bücher als zu platzraubend ansehen oder angeblich praktischer finden, alle ihre Bücher immer und überall und jederzeit bei sich zum Lesen haben zu können. Was letzteres und das Bedürfnis nach völliger Kontrolle über ihr virtuelles, statt bisher reales Bücherregal besagt, mögen Psychologen deuten. Wir kichern leise darüber, wenn ausgerechnet E-Book-Leser, die so argumentieren uns Klammern an reale Bücher und überflüssige Fokussierung auf Besitz an realem Buch vorhalten wollen.

Ohne uns zu genieren, genau das gern zuzugestehen:

Wir lieben es, Bücher zu begreifen, in Händen zu halten und sie bei und um uns zu haben und darin zu blättern, ohne auf den Saft aus der Steckdose, dem Akku oder Batterien angewiesen zu sein. Uns genügt eine Kerzenfunzel oder zwei, wenn nötig. Eine Bordlampe auf dem Segelschiff, Tageslicht in jeder Hütte. Batterien brauchten wir nur für die Taschenlampe unter der Bettdecke, wenn der Tag zu kurz gewesen war, um unsere Leselust zu stillen, bevor die Schlafenszeit hereinbrach. Oder wenn man wieder einmal mit Leseverbot für eine Sünde oder ein Versäumnis des Tages bestraft worden war. Für mich im Ranking der Strafen die schlimmste, noch vor Fernsehverbot und bei Hausarrest hätte ich laut gelacht. Wer zu lesen hat, ist durch Hausarrest nie zu schrecken. Vielleicht habe ich deswegen niemals im Leben Hausarrest erhalten, chissà?

Böse Zungen sehen die Nachfolger von Taschenlampen zur Nachtzeit in diesen Modellen. Ein Schelm, der…..? Der Gedanke hat durchaus Charme….

Ein Buch, das wir in Händen halten können, lässt sich weitergeben. Und wenn wir es aus den Händen geben, ist es wie mit Kindern und anderen unserer Träume und Kostbarkeiten im Leben, die wir ein Stück weit ziehen lassen, ohne dass andere ihnen ausserhalb unserer Sichtweite Schaden zufügen sollen.

Wir vertrauen sie auch nicht jedem an. Und was wir anvertrauen, verdient sorgfältige Behandlung. Auch, …nein: gerade und besonders von Freunden. Oder Familienmitgliedern. Jörg Steinleitner hat seinen Kummer damit hier ausgeplaudert. Und wird aus so manchen Büchermenschen Seele sprechen.

Mir? ……….Ich sage nur: Keine Bücher, keine Bratpfannen. Vielleicht auch über die genannten Gründe hinaus aus diesem: Ich will nicht die zweite zur Therapie oder Sanktion des Umgangs mit ersterer einsetzen. Wenn auch nur, weil ich nicht 120% sicher bin, ob ich den Notwehr-Paragraphen so weit zwirbeln könnte, mich dafür auf ihn noch berufen zu können. Und man weiss ja nie, ob ein Büchermensch auf der Richterbank sässe…..

Einen hübschen Lese-Tag für Sie!

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