Über die Gier und die Hab.Gier

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Tägliches Brot © Liz Collet

Nichts ist ausreichend für den,
dem das Ausreichende zu wenig ist.

Epikur von Samos
griechischer Philosoph

Über die Themen Habgier, die Gier zu haben und immer mehr zu haben und den Geiz, der den einen mehr, den anderen weniger geil scheint, habe ich zwei interessante Hörbeiträge des BR bei Bayern 2 entdeckt. Für mich ist ja Radio une Audiobeiträge umsomehr nahe beim Hörbuch und daher passen auch Tipps dazu durchaus in meinen kleinen Literaturblog. Dass die beiden Beiträge mir zur Jahreswende und zwischen den Jahren in den Weg und vor die Augen, resp. vor die Ohren kamen, kann an den dann zu Guten Neujahrsvorsätzen regelmässig medial gewählten Themenspektren liegen, muss aber nicht. Die beiden Themen sind ja durchaus durch das Jahr stets aktuell und relevant.

Habgier und Raffsucht – Mit vollem Hals im moralischen Keller mutet auf den ersten Blick der Headline nach der Art von moralischem Zeigefinger an, die manchen abschrecken könnte, sich den Beitrag anzuhören, der schon das Jahr über genug von den ungezählten Foodethikern und Moralaposteln gleichenden Bekehrwütigen hat, die ihm erzählen wollen, was er essen, geniessen, tun und lassen dürfe. Lassen Sie sich von dem Titel nicht verschrecken, der Beitrag ist hörenswerter als derlei Belehrungen von Menschen, die besserwisserisch anderen Fleisch, Wein und Genuss und ihre Folgen für Gesundheit, Umwelt, Klima und anderes vorrechnen und vorhalten wollen. Es geht nicht nur um einen gierigen Magen, den schon Aristoteles thematisierte. Sondern um Forschungen der Neurowissenschaft, die sich mit Neurofinance (Neuroökonomie) befassen und dem, was unser Hirn verrät, wenn uns Belohnungen widerfahren oder etwas weggenommen wird. Angst vor Verlust, wenn wir eine scheinbar günstige Gelegenheit verpassen, gehört zu den dabei untersuchten Empfindungen, die auch betriebswirtschaftlich versierte Menschen nicht verschont. Ob der kleine Otto Normalverbraucher, der Weltwirtschaftsbanker oder der Millionen verdienende Fussballer – nicht die Grösse der Summe, sondern der Mechanismus, den Angst vor Verlust oder Verpassen günstiger Gelegenheit bestimmen dabei Handeln.

Dies und weitere Beispiele sind hörenswert und lehrreich, um das eigene Handeln und seine Konditionierung durch Medien, Werbung und Vergleich mit anderen zu hinterfragen.

Auch Beispiele wie das Eisenbahn-Experiment sind spannend zu hören, wo es um Ob und Wie von Nutzen, Kosten und Risiken und deren Abwägung geht. Unter anderem bei ganz alltäglichen Handlungen von Bar- oder Kredit-/EC-Kartenzahlung zeigen sich deren Folgen, die zu denken geben sollten, wenn die Abschaffung von Bargeld gefordert wird und von wem diese vor allem favorisiert wird.

Nahe bei diesem Thema liegt der zweite Hörbeitrag Ein Hoch auf den Genuss – Weil Geiz eben nicht „geil“ ist.

Dass Menschen als Schnäppchenjäger sich als intelligenter und pfiffiger ansehen, mag je nachdem, was sie kaufen und zu welchem Preis auf den ersten Blick und manchmal beim wirklich preis.wertem Einkauf berechtigt sein. Vielfach übersehen sie aber noch zu differenzieren, ob und was sie wirklich brauchen. Zu unterscheiden zwischen Bedürfnis und Bedarf und was sie benötigen oder nur kaufen.

Interessant auch, dass die Forschung bei Fragen der Lohngerechtigkeit ergibt, dass weniger die absolute Höhe des eigenen Einkommens für Befragte eine Rolle spielt, wenn ein Kollege ein relativ höheres Einkommen hat. Nicht das, was der Mitarbeiter für sich, seine Leistung, sein benötigtes Einkommen als Bedarf bräuchte für sein tägliches Brot und den Broterwerb, bestimmt in seinen Augen dann den Maßstab gerechten Lohns, sondern ob er (mindestens) genausoviel wie ein Kollege für eine gleiche oder vergleichbare Arbeit erhält.

Ganz alltäglich erlebt man ein solches maßloses gieriges Verhalten auch im Zusammenhang mit Diskussionen, ob man beim Bäcker oder beim Backshop von Discountern, bei Handwerksbrot und -gebäck oder industriell gefertigten sog. Broten und sog. Backwaren zugreift, die gut spiegeln, dass für die einen Mehr an Quantität für wenig Geld bevorzugt wird gegenüber Mehr an Qualität für Mehrwert bei Mehrpreis. Selbst wenn es à la longue Verlust von Handwerk und Berufsstand, Arbeits- und Ausbildungsplätzen und Lebensmittelqualität bedeutet und Inkaufnahme von Zusatzstoffen in Lebensmitteln, deren Folgen für Allergien oder Gesundheit man kritisch hinterfragen sollte. Weniger ist mehr………. bei Genuss, wo mehr Qualität im Lebensmittel stecken könnte. Und weniger ist mehr beim Essen, das sich auch bei nicht wenigen auf der Waage spiegeln könnte, wo bewusster und bewusst weniger, aber besser konsumiert würde, mit lanfristigerem Wert.

Verzicht ohne Exzess des Verzichts, massvoller Genuss könnte Lebensqualität erhöhen, nicht mindern. Die Balance zu finden, das rechte Maß im Verzicht, ist eine Kunst, die Prioritäten zu hinterfragen und zu verlagern. Der zweite Beitrag des BR bringt dazu interessante Beispiele im und aus dem Alltag für den Einzelnen und das Zwischenmenschliche.

Bevor man – wieder mal nur – mit den kommenden Wochen des Fastens nach dem Fest und vor dem nächsten Fest nur temporär das Gewissen zu beruhigen sucht, wäre es vielleicht nicht falsch, die Frage der Balance von Gewohnheiten neu zu stellen und sich selbst vielleicht anders als gewohnt zu beantworten. Die Balance von Ausgaben und Verausgabung ist nur eine davon. Die zu neuem Genuss führen kann.

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