„Eine Jubelfeier auf das Buch als physisches Objekt“

Buchtrailer sind seit einiger Zeit der neue Chic in Buchvorstellungen, vor allem im Bereich aufwändiger und edel gestalteter und das Auge sinnlich kitzelnder Kochbücher, bei denen das naturgemäss Lust auf den Genuss machen soll und kann.
Bei anderen Büchern findet man es auch hin und wieder, doch bei wenigen Büchern scheint das so berechtigt, wie bei diesem Buch.

Anfang Oktober erschien die deutsche Ausgabe des mit zahlreichen Beilagen versehenen Romans „S.“ („S. − Das Schiff des Theseus“) von J. J. Abrams und Doug Dorst bei Kiepenheuer & Witsch. Es nahm im Nu die Bestsellercharts für sich ein.zu Recht, es ist ein verzauberndes Meisterwerk der Buchmacherkunst. Wer sich bei solchen Büchern nicht wieder in das gedruckte Buch verliebt, hat keinen Puls mehr!

Wie es sein kann, wenn einem ein Buch „in die Hände fällt“, das durch darin enthaltene Notizen oder eingelegte oder beigelegte Notiz dazu bestimmt ist oder scheint, sich ihm zu widmen und dem, was das Buch oder derjenige, der es einem anderen zugedacht hat, den er (vielleicht, vielleicht nicht persönlich) kennt, das ist mir nicht nur einmal passiert. Vielleicht auch Ihnen? Nicht nur das hübsch eingepackte Buch, das eines Tages im Kuvert aus dem uraltem Briefkasten jenes zur Jahrhundertwende 1900 gebauten Hauses ragte, in dem ich meine ersten beiden Studentenjahre in Regensburg lebte, gehört dazu. Ein sorgfältig verpacktes Taschenbuch, das Päckchen handschriftlich adressiert, mit zwei hübschen Bildaufklebern nett dekoriert, aber aussen wie innen kein Absender, nur ein Kärtchen dabei, das zwischen Buchdeckel und erster Seite lag und die Worte trug

„Immer wenn ich Sie sehe und erlebe, Ihren heiteren und trockenen Humor, denke ich an diesen Autor, den ich mit demselben Vergnügen lese, wie man Ihnen stundenlang nur zusehen möchte.“

Wer würde trotz der netten Worte da nicht erst mal kurz und ein bisschen erschrecken, sich so beobachtet wiederzufinden von jemandem, bei dem man nicht die leiseste Ahnung hat, wer dies sein könnte, weil auch Handschrift oder sonstige „Indizien“ der Postsendung das nicht verraten? Von jemandem offenbar regelmässig beobachtet, ohne das selbst bemerkt zu haben.

Wer mir wo gern zusah und warum, würden Sie anhand dieser Zeilen nie erraten und mich kostete es auch einige Rätselei, bis ich – nach weiteren Buchsendungen und mit einigem Gespür für Büchervorlieben – dem „Täter“ auf die Schliche kam. Aber das ist eine eigene Geschichte um einen besonders netten Menschen, der Spass daran  hatte, mir Tiger und Panther ins Haus zu schicken und mich mit Tucho Bekanntschaft schliessen zu lassen. Und mit dem und seiner ebenso zauberhaften Ehefrau über viele Jahre eine besondere Brief- und Bücherfreundschaft verbinden sollte, neben den persönlichen Begegnungen.

Es war nicht das einzige Mal, dass ich von Menschen und Büchern überrascht wurde – und meine damit nicht diejenigen aus Anlässen für Büchergeschenke oder Rezensionsexemplare. Immer liegt in solchen unvermutet in den Schoß fallenden oder aus Briefkästen ragenden oder vor der Türe liegenden Bücherüberraschungen ein eigener Zauberkitzel der Neugier und des Erstaunens, das verführt, mehr als manche andere Bücher. Erst recht, wenn sie mit Notiz und Zeilen versehen sind, die Rätseln lassen………….. Und so ist es kaum verwunderlich, ein ganz und gar verständlicher Impuls, der auch im Buch „S. – Das Schiff des Theseus“ eine Studentin für ein Buch gefangennimmt, das ihr in die Hände fällt…….

Zum Buch:

Eine junge Studentin findet in der Bibliothek ein Buch. Ein anderer Student hatte darain Hunderte von Randbemerkungen gekritzelt, offenbar im Bemühen, der wahren Identität des unter Pseudonym schreibenden Autors V. M. Straka auf die Spur zu kommen. Die junge Frau ist fasziniert und ergänzt die Notizen mit eigenen Mutmaßungen. Zwischen den beiden Studenten Jen und Eric entspinnt sich eine lebhafte Unterhaltung, die allein auf den Seiten des Romans »Das Schiff des Theseus« stattfindet. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem mysteriösen Autor V. M. Straka. Ein unbekannter Übersetzer hat den Roman herausgegeben und ihn mit teilweise verwirrenden Fußnoten versehen. Doch die beiden finden heraus, dass diese Fußnoten einen geheimen Code ergeben, der ihnen Informationen liefert, die der Straka-Forschung bisher völlig unbekannt waren. Was wie ein Spiel beginnt, wird im Laufe der Zeit bitterer Ernst, denn jemand scheint Interesse daran zu haben, dass die Identität des Autors nicht gelüftet wird. Jen und Eric geraten in gefährliche Verstrickungen, die sie fast das Leben kosten.

Ein hochraffiniert komponierter Roman, der zeigt, was ein Buch anrichten kann. In der Literatur und im Leben.

Was ich mir von diesem Buch für die Literatur und im Leben von Menschen wünsche, ist – Insider und andere, die meine Liebe und Vorliebe für gedruckte Bücher wissen es – unschwer zu erraten: Ich hoffe, es wird ganz viel anrichten. Im Leben von Lesern und im Leben einer Welt, die Büchern nur zu gern den Stempel des überholten Ladenhüters aufdrückt.

Lassen Sie sich von Buch und der Buchmacherkunst seiner faszinierenden und liebevollen Gestaltung verzaubern und gefangen nehmen – für dieses und viele andere Bücher, die in Buchhandlungen auf Ihre Entdeckung und Adoption hoffen und warten. So, wie Kinder von der Magie liebevoll gestalteter Märchen-, Lese- und Geschichtenbücher fasziniert und gespannt auf neue und weitere Welten des Buches und anderer Bücher sind und werden.

Wie es den Autoren mit diesem Buch gelingt:

Emmy-Preisträger J. J. Abrams ist Produzent, Regisseur und Autor diverser Filme und TV-Serien, darunter Fringe, Lost, Alias, Felicity, Star Trek, Cloverfield, Super 8, Mission: Impossible und Star Wars: Episode VII.

Doug Dorst unterrichtet kreatives Schreiben an der Texas State University in San Marcos. Er ist Autor des Romans „Alive in Necropolis“ (nominiert für den PEN/Hemingway Award) sowie der Kurzgeschichtensammlung „The Surf Guru“. Seine Texte sind u. a. in McSweeney’s, Ploughshares und Epoch erschienen. Dorst ist zudem dreifacher Champion der US-Spielshow „Jeopardy!“.

Welche Herausforderungen für die aufwändige, bibliophile Gestaltung des Buches selbst zu bewältigen waren, erläutert Herstellungsleiterin Monika König in einem Beitrag des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels hier.

Titel der Originalausgabe: S.
Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler und Bert Schröder
ISBN: 978-3-462-04726-4
Erschienen am: 08.10.2015
gebunden i.Sch.

Preis: 45 Euro

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