Remember ……… {alte Bibliotheken und alte Bücher in neuem digitalem Gewand}

© Liz Collet

© Liz Collet

Perhaps You remember that kind of searching machine, too?

Ja, vielleicht kennen Sie auch noch solche Register für die Suche nach Büchern in Bibliotheken?

Nicht nur in meiner Unibibliothek, vor allem auch in der Bayerischen Staatsbibliothek war diese noch bis vor einigen Jahren vorhanden. Ob sie es jetzt noch ist?

Ich bin nicht sicher……….denn mein letzter persönlicher und nicht nur virtuell-digitaler Besuch der StaBi liegt 3 Jahre zurück, kurz vor meinem Umzug aus der Isarmetropole ins Blaue Land. An jenem Tag liess ich meinen StaBi-Ausweis vorsorglich erneuern, um auch etwas fern der Isarmetropole auf den Bestand bei Bedarf zurückgreifen zu können, online oder bei den jeweiligen Besuchen in München.

Denn in der kleinen und netten und charmant geführten Gemeindebücherei des Marktes Murnau ist bei rund 12.000 Einwohnern naturgemäss der Buchbestand thematisch und erst recht vom Umfang ohnehin ein ganz anderer, mit der StaBi nicht im Entferntesten zu vergleichen. In der von wirklich unendlich charmanten, hilfsbereiten Damen betreuten Gemeindebücherei stolperte ich zwar unvermutet und mit Schmunzeln in einem Buchständer über einen der dtv-Ratgeber, auf dessen Cover eine meiner eigenen Fotoarbeiten mit den Treppen laufenden Beinen dbmS prangte.

COVER Arbeitslosengeld II Hartz IV von A - Z

COVER Arbeitslosengeld II Hartz IV von A – Z

Aber sonst ist da in Sachen Rechtsliteratur wenig zu finden, wo Marktbürger und Urlaubsgäste nach Büchern suchen, die unterhaltsamere Inhalte als justament Rechtliches bieten.

Auch Fernleihe ist da nicht für derlei verfügbar. Und so schien es mir geraten, mir den Zugriff auf die StaBi auch weiterhin zu sichern und den Ausweis erneuern zu lassen, den ich ein paar Jahre weniger genutzt hatte, während ich benötigte Bücher für die Kanzlei eh und auch sonst eher kaufte, als lieh.

Während die Erneuerung des Ausweises von einer freundlichen Mitarbeiterin der StaBi am PC erledigt wurde, hatte ich auf die Reihen der alten Karteikartensysteme nicht geachtet und ob es solche dort noch gibt. Auf die vermutlich ohnenhin kaum jemand noch zugreift, seit es technische Titelrecherchen dort gibt und peu à peu alles digitalisiert wird, selbst der Schrettinger Katalog.

Was – wie viele andere digitale Zugriffsmöglichkeiten auch auf historische Karten Bayerns beispielsweise – seine Vorteile bietet, nicht allein Nutzern wie mir, die eben nicht mehr in München wohnen und mal eben in die StaBi radeln können.

Und bei Kostbarkeiten wie beispielsweise dem aufwändig restaurierten und digitalisiertem und von Hans Mielich prachtvoll illuminiertem Prachtchorbuch Albrechts V. ist zum ersten Mal seit über 450 Jahren ein solches Werk nicht nur  online für alle Interessierten zugänglich, sondern mit dem „nur“ digitalem Zugriff auch vor den Folgen der realen Benutzung und Abnutzung geschützt. So sehr mir sonst gedruckte, greifbare Bücher vor eBooks & Co. gehen, liegen mir solche Werke wiederum genug am Herzen, dass bei ihnen ein blosser digitaler Zugriff vorteilhaft ist.

Das Chorbuch wurde im Jahr 1559 im Auftrag Herzog Albrechts V. (1528 – 1579) für die Schatzkammer des Bayerischen Fürstenhauses fertiggestellt und enthält 26 vier- bis achtstimmige Motetten des niederländischen Komponisten Cipriano de Rore (1516 – 1565).
Im Repertoire der Musikhandschrift befinden sich unter anderem große Staatsmotetten wie die Motette zur Thronbesteigung Albrechts V. von Bayern, aber auch Vertonungen von Vergil und Horaz oder Motetten zur Weihnachtszeit.
Aufsehenerregend ist die Ausstattung des Chorbuchs als Prachtkodex mit reicher Buchmalerei in beispielloser Qualität. Neben detailreichem Bildschmuck zu Beginn jeder Motette sind acht ganzseitige Miniaturen des Malers Hans Mielich (1516 – 1573) in der Handschrift enthalten.

Kostbarkeiten wie diese

wären selbst im Lesesaal nicht in der Präsenzbibliothek verfügbar, ja nicht einmal in der Handschriftensammlung so ohne weiteres zugänglich, in der ich oft Nutzen von besonderen alten Werken für verschiedene Arbeiten ziehen durfte. HIER aber können Sie nun durch dieses kostbare Werk online Seite für Seite blättern.

Auch  diese und viele andere geschätzte Quellen und Bücher sind für mich geschätzter Bestand in der StaBi, für die sich immer mal wieder der Besuch lohnte und ein Ausweis unverzichtbar bleibt für mich. Dass die StaBi zudem mit ihrer Lage eine einzigartige Atmosphäre hat, wenn man dort arbeitet, auch als Nutzer im Lesesaal etwa, ist ein Bonbon obendrauf.

Viele laufen an der StaBi gern vorbei, ohne auf sie zu achten oder sie gar einmal zu besuchen. Dabei ist sie leicht zu erkennen, wenn man von der Feldherrnhalle Richtung Siegestor läuft, denn anders als die anderen Gebäude längs der Ludwigstrasse fällt sie durch die Freitreppe und ihre vier überlebensgroßen, von Ludwig von Schwanthaler entworfenen Steinfiguren  auf. „Die vier Heiligen Dreikönige“ (wie Altmünchner sie gern nennen) stellen  von links nach rechts vor der Freitreppe stehend dar:

  • den Dichter der Ilias und Odyssee  Homer
  • den Begründer der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung  Thukydides,
  • den Philosophen und Lehrer Alexanders des Großen  Aristoteles
  • und den berühmtesten Arzt der Antike, Hippokrates.

Sie stehen dort für die Vielfalt der Wissenschaften, deren Literatur die Königliche Hof- und Staatsbibliothek zu sammeln bestimmt war.

Nach ihrer Gründung 1558 war die wittelsbachische Hofbibliothek zunächst im Kanzleigewölbe des Alten Hofes untergebracht. 1571, nach Errichtung des Antiquariums in der Alten Residenz, wurde ihr dort ein Geschoß oberhalb der übrigen „Antiquitäten“ zugewiesen, doch schon das Jahr 1599 führte sie in den Alten Hof zurück, diesmal in dessen Nordflügel. 1778 befahl Kurfürst Karl Theodor den Umzug in das Mauthaus an der Theatinerstraße, in das, knapp zwei Jahrzehnte zuvor, auch die Akademie der Wissenschaften eingezogen war. Die Bibliothek blieb dort nur fünf Jahre. 1783 siedelte sie, vermehrt um die Bestände des aufgelösten Jesuitenkollegs und wiederum gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften, in das ehemalige Kollegiengebäude der Jesuiten neben der Michaelskirche über. Einer der ersten Baupläne König Ludwigs I. galt einem repräsentativen Gebäude für seine Hof- und Staatsbibliothek. Als Bauplatz war zunächst das Areal gegenüber der Glyptothek am Königsplatz, heute Standort der Antikensammlung, ins Auge gefasst; erst später kam die Lücke zwischen Kriegsministerium und Ludwigskirche an der damals nach dem Willen des Königs nach Norden wachsenden Prachtstraße, der Ludwigstraße, ins Gespräch. Die Planung wurde dem Architekten Friedrich von Gärtner übertragen und in den Jahren 1832 bis 1843 verwirklicht. Der langgestreckte, zwei Innenhöfe umschließende Bau an der Ludwigstraße ist mit 152 Metern Länge, 78 Metern Tiefe und 24 Metern Höhe der größte Blankziegelbau Deutschlands. Bei seiner Eröffnung galt er als fortschrittlichster deutscher Bibliotheksbau.

Sie erhielt den Preis Bibliothek des Jahres 2008.

Ich liebe den Blick durch die  Fenster hinaus auf den alten Baumbestand hinter den hohen Glasscheiben, der dort und auch durch die Fenster des Lesesaales zu jeder Jahreszeit das Auge freute, seit ich als Schülerin und in den Semesterferien als Studentin nach dem Ferienjob abends und in den ersten Jahren als Anwältin dort die Bibliothek nutzte.

Unter anderem einmal ziemlich exzessiv im Zwei-Tages-Rhythmus die maximal jeweils möglichen 5 Bücher entleihend und gegen neue tauschend, die ich für meine Exegese benötigte und in den 14 Tagen Winterferien, die ich dafür zwischen meinem Kanzleialltag zur Verfügung hatte, las. Insgesamt mehr als 5000 Buchseiten, die ich in diesen 14 Tagen allein entlieh und daheim teils in lateinischen Texten, teils in deutschen durcharbeitete für die Fertigung der Exegese. Von den Bänden im Lesesaal, die ich durchforstete nicht zu reden. Mein Wach-Schlaf-Rhythmus war in jenem Winterurlaub weitgehend 44 : 4 Stunden  im Wechsel während der 14 Tage, in denen ich die Arbeit auch erstellte und tippte. Wobei in den 44 Wachstunden nicht nur jene Arbeit zu tun war, sondern natürlich auch die „Mann-schaft“, sprich Mann und Maus, etwas von meiner Urlaubszeit hatten und haben wollten. Und ich von beiden auch. So dass es ein Parforceritt war, in dieser Zeit eine Exegese zu erstellen, für die Studenten oder Referendare bei einem Professor üblicherweise  ein ganzes Semester oder mindestens 2-3 Monate Zeit erhalten und brauchen. Doch soviel Zeit hat man als Anwalt eben nicht „nebenbei“……..es musste also der Winterurlaub von 2 Wochen reichen und klappen, auch trotz der Feiertage, an denen die StaBi naturgemäss geschlossen war . Die Tage dazwischen aber nutzte ich dort intensiv……….

Bevor ich sie dann glücklich damit fertig am 5. Januar des damaligen Winters in der Kanzlei noch abends  kopierte und an den Professor schickte. Und in der folgenden Nacht und am Dreikönigstag nonstop durchschlief, nur kurz wach, um meine Männer mit Frühstück und Essen zu versorgen und weiter zu schlafen bis zum 7. Januar – an dem mein ganz normaler Kanzleialltag wieder seinen Lauf nach dem Winterurlaub nahm.

Die StaBi lohnt bis heute unverändert Besuche nicht nur, aber auch wegen der dort regelmässigen sehenswerten Ausstellungen und auch sonst interessanten Veranstaltungen.

In den kommenden Tagen werde ich (Premiere, Premiere) einen anderen Archivbestand mit Büchern und anderen Schriftstücken besuchen und kennenlernen, auf den ich schon sehr gespannt bin und mich sehr freue.

Ich könnte mir denken, dass es dort (neben sicher vorhandenen PC-Archiv und Bestandslistungen) noch ähnliche Registratur geben könnte. Mir würde das jedenfalls durchaus gefallen…………. Mehr dazu dann in einem der kommenden Beiträge.

Und ob es noch Registerkarten und Registratur in der StaBi gibt? Schauen Sie mal……. HIER.

Lieben SIE auch alte Bibliotheken? Welches sind Ihre Lieblingsbibliotheken?

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