Friedrich Dürrenmatt – Tipps zum und für ein ganzes Wochenende

Denkanstösse © Liz Collet, Diogenes Verlag, rororo, Dürrenmatt, Friedrich Dürrenmatt

Denkanstösse © Liz Collet

„Es hat gar keinen Sinn, sich zu Tode zu ärgern,
es ist besser, man lacht sich wenigstens zu Tode,
wenn man zwischen zwei Todesarten wählen kann.“

Eines meiner Lieblingszitate von Friedrich Dürrenmatt, wohl weil es so ganz und gar meiner eigenen Lebensart entspricht. Ein Zitat von Dürrenmatt, das ich allerdings erst im Zusammenhang mit dem Kinofilm „Dürrenmatt – eine Liebesgeschichte“ hörte.

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Ein Wochenende mit Dürrenmatt © Liz Collet

Die erste Begegnung mit Dürrenmatt und dem, was er sagte, genauer: zu sagen hatte, indem er es schrieb, als Autor, aber war – wie vielleicht bei vielen anderen auch – die Lektüre des Buches „Der Richter und sein Henker“ in der 8. Klasse. Die rororo-Taschenbuchausgabe, noch immer eingebunden in die Schulbuchfolie wie üblich und obwohl es kein entliehenes Schulbuch, sondern selbst zu kaufende Litetatur war. Mit dem handschriftlichen Namens- und Adresseintrag und der noch alten Postleitzahl für München und der Zahl des Viertels auf dem ersten Blatt und – was selten ist, da selbst meine ältesten Bücher pfleglich behandelt in gutem Zustand sind – zwei dann folgenden losen, durch vieles Lesen und Alter des Buches aus den 70er Jahren gelösten Buches. Werner Rebhuhn zeichnete verantwortlich für die Umschlaggestaltung, Karl Staudinger für 14 Zeichnungen im Büchlein. Der erste damalige Eindruck dieses Buches war von der Illustration jedoch völlig unbeeindruckt und ist es noch immer, obgleich sich beim späteren wiederholten Lesen natürlich weitere Eindrücke, weitere Gedanken und Blickwinkel auf das Buch, die Raffinesse des Themas und seiner Umsetzung, des Spiels mit Wendungen hinzugesellten. Und – später als Studentin, Juristin, Anwältin – wiederum weitere Gedanken und Verästelungen von Fragen des Rechts, der Kriminalistik, von Rechtsethik und Rechtsmoral und Rechtsphilosophie.

Da hatte ich inzwischen längst eine Reihe weiterer seiner Werke gelesen, die ich in Büchereien entlieh, manche dann auch kaufte und die – darunter die Denkanstösse – mehr als einmal lesens.wert waren und gelesen wurden. Es geschah am hellichten Tag war der einzige Film, bei dem ich zuerst als Kind den Film vor dem später erst gelesenen Buch gesehen hatte, obgleich zu diesem Zeitpunkt, als ich ihn zu sehen bekam, inzwischen – nach dem Film und dem erst später von Dürrenmatt dazu verfassten Buch „Das Versprechen“ – beide bereits existierten. Einer der Filme, die man als Kind sogar in der Schule zu sehen bekam als Warnung und Aufklärung vor Gefahren, die es auch für Kinder gibt.

Die Drehbuchvorlage zu dem Film war es, die Dürrenmatt erst zu dem Buch „Das Versprechen“ führte.   Dürrenmatt war mit dem Film und seinem Ende zwar zufrieden, aber nicht begeistert. Der Filmtitel stammte auch nicht von ihm, seine Vorschläge waren abgelehnt worden. Er wollte jedoch die Geschichte jenseits ihrer pädagogischen Funktion weiterdenken und anders als im Film legte er den Fokus in der Erzählung weniger auf das Verbrechen, als auf den Ermittler.

Bei anderen seiner Bücher sah ich Verfilmungen oder Theaterstücke oder hörte mir die Hörspiele an, nachdem ich bereits die Werke kannte. Beim Besuch der alten Dame kann man – auch bei persönlicher, im Ranking abgestufter Vorliebe für eine der Verfilmungen oder Inszenierungen – beinahe jeder davon etwas abgewinnen, was am Stück selbst liegen dürfte. Die Version mit Ingrid Bergmann klar vor der Version mit Christian Hörbiger liegend, sah ich zuerst. Finde aber bis heute die Version mit Elisabeth Flickenschildt (hier als Video), die lange vor meiner Geburt inszeniert und für das Fernsehen verfilmt wurde am besten. Wobei ich liebend gern gesehen hätte, wie Therese Giehse in der Uraufführung (oder einer Verfilmung davon) gewirkt hätte, die nicht nur in diesem Stück Dürrenmatts brillierte, mit dem sie auch persönlich befreundet war. Leider ist von ihrer Darstellung (soweit ersichtlich) kein Film oder Video aufzutun. Anders als bei den Physikern etwa (hier das Video zur Verfilmung des Stückes für das Fernsehen mit Therese Giehse neben u.a. Gustav Knuth, Rosemarie Fendel, Renate Schroeter, Wolfgang Kieling, Willy Semmelrogge und dem unvergleichlichen, unvergessenem Siegfried Lowitz)

Friedrich Dürrenmatt , der am 5. Januar 2015 seinen 95. Geburtstag und am 14.12.2015 seinen 25. Todestag hatte ist in seinem Werk unverändert aktuell, seine Theaterstücke sind bis heute unter den meistgespielten auf deutschen Bühnen, Schullektüre und universell bekannte, moderne Mythen. Man kann gerade eines dieser herrlichen winterlichen Januar-Wochenenden bestens mit ihm verbringen, literarisch wie cineastisch.

»Der Dialog mit Friedrich Dürrenmatt ist nicht zu Ende
– er beginnt erst, und wir werden Mühe haben,
in Friedrich Dürrenmatts mächtigem Schatten, ihn zu bestehen.«

Walter Jens

Friedrich Dürrenmatt wurde 1921 in Konolfingen bei Bern als Sohn eines Pfarrers geboren. Er studierte Philosophie in Bern und Zürich und lebte als Dramatiker, Erzähler, Essayist, Zeichner und Maler in Neuchâtel. Bekannt wurde er mit seinen Kriminalromanen und Erzählungen ›Der Richter und sein Henker‹, ›Der Verdacht‹, ›Die Panne‹ und ›Das Versprechen‹, weltberühmt mit den Komödien ›Der Besuch der alten Dame‹ und ›Die Physiker‹. Den Abschluss seines umfassenden Werks schuf er mit den ›Stoffen‹, worin er Autobiographisches mit Essayistischem verband. Friedrich Dürrenmatt starb 1990 in Neuchâtel.

An diesem Wochenende widmet ihm 3sat eine Reihe von Beiträgen, daneben habe ich aber im Folgenden noch einige weitere Tipps für Sie und ein ausgiebiges Dürrenmatt-Wochenende:

Vielleicht haben Sie Lust, sich an diesem Samstagvormittag durch einen kleinen Besuch und Bummel durch Ihre Buchhandlung „um die Ecke“ und das eine oder andere Buch oder Taschenbuch auf dieses Wochenende einzustimmen? Und eines der vielleicht bisher nicht oder lange nicht mehr gelesenen Bücher von ihm? Was gibt es Schöneres, als einen kleinen Bummel, der mit einem oder mehreren Büchern in der Tasche und auf einen Kaffee in Ihrem Lieblingscafé – vielleicht mit einer Freundin oder anderen Lieblingsmenschen? – oder einen Tee endet, bei dem Sie schon mal in eines der neuen Bücher reinschmökern? Oder bei einer heissen Schokolade daheim und an diesem Winterwochenende? Oder mit einem gemeinsamen TV-Abend bei Dürrenmatt bei Wein und italienischen Antipasti, Fingerfood oder anderen kleinen Genuss-Stücken mit netten Menschen?

Am 25.11.2015 erschienen alle Dürrenmatt-Stücke in einem Band,  Der Besuch der alten Dame und Die Physiker wurden mit neuem Cover und auch als Hörspiele herausgebracht.

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