Zu verkaufen: Ales Krejca, Die Techniken der graphischen Kunst

Ales Krejca, Die Techniken der graphischen Kunst,

Ales Krejca, Die Techniken der graphischen Kunst,

Ales Krejca, Die Techniken der graphischen Kunst, Handbuch der Arbeitsvorgänge und der Geschichte der Original-Druckgraphik, Dausien, 3.A., 1991 ist eines der interessantesten Bücher über die Techniken der graphischen Kunst, das ich kenne.

Als Liebhaberin von Originalradierungen faszinierte mich die Technik der verschiedenen Formen von Radierungen schon seit Studienzeiten, das eine oder andere Bild fand auch seinen Weg an die Wände meiner kleinen Studentenwohnung.

Eines der schönsten Exemplare einer Originalradierung ist mit einer eigenen Geschichte verbunden, die ihren Anfang an einem der kältesten und der am tiefsten verschneiten Winterabende in Regensburg, meiner Studentenstadt nahm, im allerersten Semester.

Ich befand mich auf dem Heimweg durch die Untere Bachgasse zwischen der Gesandtenstrasse und dem Alten Rathaus, es war spät, dicke Flocken hatten nicht nur die Gasse mit einer rund 30 cm hohen Schneedecke so eingeschneit, dass der Schritt nur knirschende Geräusche hören liess und alle anderen Geräusche in der Altstadt dämpfte. In der Gasse hingen schöne alte Laternen, die weihnachtliche Atmosphäre zauberten und nach wie vor fielen dicke Flocken.

Da ich auf der Insel am Oberen Wöhrd damals wohnte, hatte ich noch einige Minuten Weg vor mir, die ich gern durch die winzige Gasse am Alten Rathaus durch den kleinen Weg abkürzte, der zur Keplerstrasse und von dort über den Eisernen Steg zum Oberen Wöhrd führte. Eigentlich zog ich an so späten Abendstunden, wenn ich erst nach 22 Uhr aus der Unibibliothek kam, einen sehr flotten Schritt vor, weil es spätestens am Wöhrd dann nur mässig beleuchtet und sehr einsam nicht so sonderlich „gemütlich“ war, allein dort entlang gehen zu müssen, bis zum Ende der Strasse und dem letzten dortigen Haus, wo ich mein Zimmer hatte. An diesem Abend aber war eine wunderschöne Atmosphäre in der Altstadt und den Gassen durch den hohen Schnee, der auch als Hauben auf Fensterbrettern, Dächern, Erkern und Türmen, den verwinkelten Bauten der Altstadt lag und so liess ich mir etwas mehr Zeit, um den Abend langsam ausklingen zu lassen und den Heimweg als Spaziergang zu nutzen. Fast war ich in Versuchung gewesen, noch in’s Orphée zu gehen, das eine wunderschöne Fensterfront in die Gasse hatte. Direkt vor dem Fenster stand ein altmodisches Sofa, mein Lieblingsplatz dort in dem französischen Bistro, das zu meinen Favorites der Lokale in Regensburg gehörte, wenn wir abends in Regensburg unterwegs waren.

Nicht nur wegen der verschiedenen Crêpes, die zum Rauf-und-Runter-durch-die-Karte-Schlemmen verführten – die leistete ich mir selten, ich zog das Schneckenpfännchen oder eine Zwiebelsuppe vor, denn zu beidem wurde endlos Baguette kostenlos gereicht und nachgefüllt und ich kam mit meinem kleinen Portemonnaie gut über den ganzen Abend, während die Kommilitonen, die ihr Studium nicht (wie ich selbst durch einen Bäckereijob) finanzieren mussten, sich genüsslich die Karte futterten. Es hätte mir gut gefallen, vom Sofa am Fenster des Orphée aus diesen romantischen, winterlichen Schneefall in der Altstadt eine Weile zu beobachten und zu geniessen. Aber ich widerstand und schlenderte Schaufenster- und Schneeguggend durch die alten Gassen, als ich an das Fenster eines Ladens kam, in dem diverse kleinere Radierungen und andere Werke hingen und – fast mittendrin – eine Radierung, die auf Anhieb meinen Blick einfing und mich in den Bann zog. Es war die Ansicht des Alten Rathauses von der Unteren Bachgasse und dem Kohlenmarkt kommend, links noch ein wenig von der Fassade des Prinzeß Cafés und rechts von dem Trakt des Rathauses, alles tief verschneit, als hätte der Künstler eben diesen Winterabend, diesen tief verschneiten Winterabend eingefangen.

Die in der Gasse hängenden alten Laternen über mir warfen ein warm glitzerndes Licht auf die Radierung, die leicht coloriert war. Es war, als stünde man in dem Bild, das man um sich herum an diesem Abend erlebte, diese wunderschöne tief verschneite Altstadt, in der niemand mehr unterwegs schien, keine Autos oder Busse in den alten Gassen, es hätte fast 100 Jahre zurückversetzt sein können, eine andere Zeit.

Ich stand lange vor diesem Bild, es fiel mir schwer, überhaupt weitergehen zu wollen, es nicht weiter zu betrachten. Schliesslich  ging ich  dann ein paar Schritte bis zur Ecke der Unteren Bachgasse und betrachtete von dort das Alte Rathaus, das dort so tief im Winter und dem warmen Licht der alten Laternen anzusehen war, wie in der Originalradierung jenes Schaufensters. Eine Zeitlang stand ich dort und sah es mir an, das Alte Rathaus, die Szenerie, bei der man sich beinahe wie in eine Zeit von Dickens zurückversetzt fühlen konnte.

Dann ging ich zurück zum Schaufenster und betrachtete die Radierung erneut. Sah die Kennzeichnung der Radierung, konnte mir zusammenreimen, dass sie jenseits meines Budgets liegen musste und unerschwinglich für mich wäre, obgleich ich nicht sehr fachkundig in Preisen solcher Arbeiten war.  Und dennoch wusste ich – die wollte, nein: die musste ich haben. Nicht jetzt, aber wenn ich das Geld dafür übrig haben würde, nicht einfach so, aber für einen besonderen Anlass. Irgendwie würde sich ein Weg finden – und wenn es erst als Belohnung für mich selbst für ein gutes erstes Examen sein sollte und würde. Ja – das fand ich eine schöne Idee. Das Risiko, ob es von der limitierten Zahl jener Originalradierung dann noch dieses oder überhaupt ein Exemplar in dem Laden geben würde? Ich war gerade im ersten (!) Semester. Ja, das ging mir durchaus durch den Sinn. Aber entweder sollte es so sein, dann wäre es oder eines der limitierten Zahl noch da – oder es sollte einfach nicht sein, so dachte ich. Und beschloss ich es für mich, insgeheim.

Und an den folgenden Tagen dieses Winters ging ich noch das eine oder andere Mal an dem Laden vorbei, sah es dort hänge und der Entschluss fühlte sich genau richtig an: Ein gutes erstes Examen, dann und wenn es dann noch zu haben wäre und auch nur dann, dann aber würde ich es mir holen. Ich ging übrigens nicht ein einziges Mal in diesem oder den folgenden Semestern in den Laden, um nach dem Preis zu fragen.

Und ich kaufte es mir auch nicht.

Auch als das Examen frisch hinter mir lag und die Ergebnisse da waren, die so gut waren, dass ich die Belohnung dafür verdient hatte, die ich insgeheim als „Bedingung“ gemacht hatte, war vor lauter Erleichterung, dass ich es wirklich geschafft hatte, mir mein Studium nicht nur allein zu finanzieren und es auch gut abzuschliessen, auch gegen einige Hürden von „aussen“, der Kopf nicht sofort wieder bei der Radierung.

Nicht dass ich die Radierung vergessen hatte, aber jeder kennt das, wie das ist nach so einem Examen. Da sind 1000 Dinge, die durch den Kopf gehen.

Schon nach den schriftlichen Prüfungen war ich tagelang erst mal Tagesradtouren von 100 bis 130 km durch die Oberpfalz gefahren, um den Kopf frei zu bekommen und mich abzulenken von den Gedanken, die man dann hat, ob es und wie man es geschafft haben würde. Und durchzuatmen vor der Anspannung, die dann wochenlang wieder entsteht, bis die Briefe des Justizprüfungsamtes kommen, mit Ergebnissen und dem Termin für die mündlichen Pflichtprüfungen, für die man ebenfalls wieder beginnt, sich vorzubereiten, noch bevor man weiss, ob und wie das schriftlicher Examen ausging.

Hat man dann beides, auch diese Zeit und Prüfungen absolviert, dann ist es erst mal wie nach einem Marathon, den man gelaufen ist, einer Bergtour, die eigentlich schwieriger ist, als andere sie einem zutrauen. Und wer sein Studium selbst mit der Doppelbelastung Studium und Bäckereiarbeit finanziert, bekommt so manches Mal zu hören, dass und wieviele es nicht mal schaffen, die es mit „Papis Schecks“ sogar leichter haben, sich nur auf ’s Studium zu konzentrieren, ohne Sorge, ob man jedes Semester die Miete pp  zusammenbekommt. Oder Geld für Bücher u.a.Man bekommt manches zu hören, ob man nicht etwas grössenwahnsinnig sei, das dann unter solchen Bedingungen ebenfalls oder auch nur halb so gut wie andere dann schaffen zu wollen und zu können. Und hat man’s geschafft, kann man’s tatsächlich erst mal kaum fassen.

Man braucht ein paar Tage und muss sich einige Male selbst kneifen, dass man dieses, wieder ein Ziel erreicht hat. Und es gibt einiges zu tun, zu denken, planen und regeln auch für den Referendardienst und erst mal durchzuatmen und Luft zu holen, bevor ich daran dachte, was ich mir selbst als Belohnung gönnen würde. Und einmal mir selbst versprochen hatte.

Bevor ich aber dann dazu kam, den Laden aufzusuchen – und erstmals nach dem Preis fragen zu wollen, holte mich das Bild ein. Und fand seinen Weg zu mir. Nur wenige Tage, nachdem ich das Ergebnis meines ersten Examens erfahren hatte. Und — ohne dass ich in den Laden gehen musste und konnte…………..

Aber das und wie es den Weg zu mir fand, nur wenige Tage nach dem Examen ist eine andere Geschichte.

Die Originalradierung hängt noch heute bei mir, naturellement. Ich habe sie fachmännisch rahmen lassen, als ich mein erstes Referendargehalt bekam. Und – da ich erneut auch in Regensburg in einer Bäckerei und als Lehrstuhlassistentin arbeitete und zusätzlich Geld verdiente – konnte ich mir das Rahmenlassen von einem Fachmann anstelle eines Kaufhausrahmens auch leisten.

Es  ist eines jener Lieblingsstücke, die – auf manchmal zauberhafte und unerwartete  Weise – den Weg zu einem finden.

Das Buch von Ales Krejca über Die Techniken der graphischen Kunst fiel mir erst ein paar Jahre später in die Hände, als ich mich neben anderen Zeichen- und Maltechniken und -mitteln auch mit der eigenen Herstellung von Radierungen befasste, Kaltnadelradierungen vor allem. Und solche selbst herstellte.

Das Buch beschreibt und illustriert aber weit mehr Techniken der graphischen Kunst und ist faszinierend zu lesen. Einige Eindrücke vermitteln diese Beispiele aus dem Buch:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich verkaufe den Band

Ales Krejca, Die Techniken der graphischen Kunst, Handbuch der Arbeitsvorgänge und der Geschichte der Original-Druckgraphik, Dausien, 3.A., 1991, 200 Seiten, 193 Abbildungen, 30x21x2cm, mit Schutzumschlag,   aus Platzgründen aus meinem Privathaushalt (Nichtraucher, keine Haustiere), Namenseintrag auf dem Innenblatt der Ausgabe, sonst keine Gebrauchsspuren

Bei Interesse freue ich mich über Nachricht für weitere Details.

Von der Radierung in der Geschichte ……….würde ich mich natürlich nie trennen. 🙂

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s